Eine Fehlgeburt – und jetzt?

Viele Paare hegen den Wunsch ein gemeinsames Kind bekommen. So erfreulich die Nachricht einer Schwangerschaft, so traurig und enttäuschend die Diagnose Fehlgeburt. Für beide Partner stellt die Diagnose Fehlgeburt nicht nur eine Belastungsprobe dar, auch der Traum vom Kindersegen zerplatzt von einer Sekunde auf die andere. Nicht selten kommen bei den Betroffenen Schuldgefühle auf. Doch meistens ist die Ursache dafür woanders zu finden.

Eine schwere Situation für alle Beteiligten

Verliert eine schwangere Frau das heranwachsende Kind, bekommt sie viel Aufmerksamkeit von Freunden und Verwandten. Viele Mitmenschen machen sich Sorgen um die negativen Gefühle, welche aufkommen. Auch das leibliche Wohl der Betroffenen rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Kaum jemand kümmert sich dabei um den Vater, welcher ebenfalls trauert und sich gleichzeitig mit doppelter Belastung um die Partnerin kümmern muss.

Das Erlebnis verarbeiten und gemeinsam reden

Häufig sind die körperlichen Folgen bereits kurz nach der Fehlgeburt überwunden. Wesentlich langsamer verheilen jedoch die seelischen Verletzungen, welche sogar noch viele Jahre nach der Fehlgeburt vorhanden sein können. Da ist es für die betroffenen Eltern äußerst wichtig, den Schmerz zuzulassen und sich viel Zeit für die Verarbeitung zu lassen. Die Trauer darf auf keinen Fall unterdrückt werden, denn die Fehlgeburt kann nur verarbeitet werden, wenn sie nicht verdrängt wird. Intensive Gespräche über Hoffnungen, Enttäuschungen und vor allem über Ängste zwischen beiden Partnern können helfen, den Schmerz zuzulassen und das Erlebte zu verarbeiten. Wichtig ist, dass sowohl der eigene, als auch der Schmerz des Partners respektiert wird. Dabei sollte darauf geachtet werden, sich in den ersten Wochen nach der der Fehlgeburt nicht unbedingt den Mitmenschen und ihrem Mitgefühl auszusetzen. Die dabei häufig fallenden Worte, wie zum Beispiel: „Ihr könnt es doch immer wieder versuchen“ oder „Ihr müsst nach vorne schauen“ sind nicht sehr hilfreich, wenn es um das Verarbeiten geht. Zwar sind diese Sprüche trostspendend gemeint, doch beziehen sie sich nicht auf die aktuelle Situation. Viele Paare stellen in der Trauerphase fest, dass sie mit dem Verlust nicht alleine umgehen können. Diese Paare sollten sich nicht scheuen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Bei einer Fehlgeburt handelt es sich schließlich um einen Verlust. Ein kleiner Mensch ist gestorben, weshalb die Trauer über diesen Verlust unbedingt gelebt und gleichzeitig auch verarbeitet werden muss.

Auch Männer leiden bei einer Fehlgeburt

Männer befinden sich nach einer Fehlgeburt in einer schweren und belastenden Situation. Viele betroffene Väter haben kaum die Chance, ihren eigenen Schmerz wahrzunehmen, da die Trauer der Partnerin meistens allumfassend ist. Häufig haben Männer dann das Gefühl, Stärke zu beweisen, um für die Frau da zu sein. Schließlich haben sich auch die Männer schon auf den Familienzuwachs eingestellt. Sie haben teilweise schon Möbel ausgesucht, das Kinderzimmer gestrichen und waren bei den ärztlichen Untersuchungen dabei. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich die betroffenen Väter häufig wie betäubt fühlen. Aber auch Wut ist ein Bestandteil der Gedanken. Es macht sich die Wut breit, nichts tun zu können. Weder in der Situation, noch für das Seelenheil für die Partnerin. Männer sollten deshalb nicht vergessen, ihre eigene Trauer zu achten und das Erlebnis, gemeinsam mit der Partnerin zu verarbeiten. Auch wenn die Männer häufig denken, sie müssten negative Erfahrungen alleine verarbeiten und das Erlebte mit sich selbst ausmachen, so sei an dieser Stelle erwähnt, dass dieses Verhalten nicht nur ungesund ist, sondern der Partnerin auch den Eindruck vermitteln könnte, nicht ausreichend Anteil zu nehmen.

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